Sarajevo 2013 - Zu Gast in Belmas Haus


Von Zagreb nach Sarajevo


Die Handlung meines Romans war es, die mich nach Sarajevo führte. Sarajevo – das kannte ich aus unzähligen Dokumentationen. Dokumentationen über den Krieg. Die belagerte Stadt, umgekippte Straßenbahnen, zerschossene Häuser. Snajper. Fragte mich selbst, wieso ich ausgerechnet diesen Handlungsstrang in meinen Roman schreiben musste. Danijel, ein Kind der Diaspora, das sich mit 37 einbildet, in sein Heimatland zurückkehren zu wollen. Und Katja kommt mit ihm. Hatte mich lange genug gefragt, ob es realistisch ist, eine Wienerin nach Sarajevo gehen zu lassen. Aber es gibt diese Geschichten. Letztendlich stand eine Frau vor mir und erzählte mir genau das, was ich schrieb. Sie war ihrem Mann, der als Jugendlicher nach Österreich gekommen war, in seine Heimatstadt gefolgt. Aus den Medien hörte ich immer nur Negatives. Ein Land, gefangen zwischen Dayton und Korruption, so nahm ich Bosnien wahr. (Deswegen habe ich auch die Unterkategorie so benannt. Es gibt diese Probleme, ich kann sie – bei aller Liebe die ich für dieses Land und seine Leuten mittlerweile empfinde – nicht verleugnen.) Ein Jahr zurück. August 2013. Ich kam mit dem Zug von Zagreb. Nach einem gemeinsamen Urlaub mit GRAUKO an der kroatischen Küste hatte ich meine Badesachen in eine Extratasche gepackt und mit nach Ö geschickt, mich in Zagreb von der Gruppe verabschiedet und mich mit meinem Tramperrucksack zum Bahnhof begeben. Ein Ticket für den nächsten Tag erstanden. Ein Besenkammerl in Zagreb, das noch immer recht teuer war. Die Zugfahrt dauerte einen ganzen Tag und erinnerte mich an die Zugfahrten meiner Kindheit. Raucherabteil. Dir vorüberziehende Landschaft. Trotz der Müdigkeit (ich war am Vortag 8 Stunden im Auto gesessen und hatte die Nacht davor kaum geschlafen) konnte ich die Augen nicht von der Fensterscheibe nehmen. Ich habe keine Fotos geschossen. Die Scheibe war zu schmutzig, mich hinauszulehnen war ich zu faul. Man könnte den Zauber sowieso nicht auf Fotos bannen (Nicht, wenn man die billigste Digitalkamera, die man im Handel bekommen kann, mit sich führt.) Die bosnische Landschaft – ich verliebte mich augenblicklich in sie. Aufgeregtheit kriecht in mir hoch. Die Landschaft – das Heimatgefühl. Da war die Verbindung, die ich im Roman beschrieben hatte. Am Abend klettere ich aus der Bahn. Ich habe kein Hotelzimmer gebucht. Will mich gerade auf die Suche machen, da spricht mich ein junges Mädchen an. Ob ich ein Zimmer bräuchte, ihre Eltern vermieten Zimmer an Touristen – für 10 Euro die Nacht.


Sarajevo empfängt mich mit offenen Armen. Ich warte mit dem Mädchen beim Auto des Vaters. Das Haus – eines der ältesten Sarajevos. Hölzerner Aufbau. Der Innenhof: Gemüse, Obstbäume, Minze um das kleine Biotop, eine Katzenmutter mit 3 Kätzchen, ein alter Hund im hinteren Teil. Wäsche auf Leinen. Eine lachende rothaarige Frau – Belma. Ich bekomme meinen ersten bosanska kava serviert. Trinke, rauche eine Zigarette. Der Muezzin legt seinen Gesangsteppich über den in die letzen Sonnenstrahlen eingetauchten Garten. Jetzt bin ich also hier. Dass ich mir keine Sorgen machen muss, meine Protagonistin hierherzuschicken. Sarajevo scheint tatsächlich eine Stadt zu sein, in der man sich wohl fühlen könnte. Aber noch weiß ich nichts darüber.