Leipzig – 14./15. März, Buchmesse


„Warum wollt ihr eigentlich immer alle auf die Buchmesse?“, fragte mich Brigitte, als ich einen Luftsprung vollführte. Alle zwei Jahre wird ein Autor, eine Autorin vom Deuticke-Verlag geschickt, diesmal durfte ich es sein.

Vor vielen, vielen Jahren wollte ich einmal mit einer Freundin nach Leipzig. Mit dem Nachtzug. Hotel hätten wir uns keines leisten können, nicht während der Messezeit. Aus unserer Reise war nichts geworden. Drei Jahre später rief mich die Freundin an, sie wäre in Leipzig bei der Buchmesse gewesen. „Und?“, fragte ich. – „Vergiss es, sagte sie. Du kommst mit drei Papiersackerln voll Broschüren wieder raus und hast so viele Bücher im Kopf, dass du sie sofort wieder vergisst.“( Meine Freundin war damals nicht nur für die Klassenlektüre sondern für die Schulbibliothek zuständig.)

​​Leipzig. Am Abend von Graz nach Wien, ein bisschen zuviel Rotwein mit der Freundin, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Um 4h ins Taxi, zum Flughafen, im Hotel wird gerade gefrühstückt. „Wir fahren gleich los“, sagt meine Lektorin.

Gabi hatte recht – zu viele Bücher. Viel zu viele. Ich schmökere bei der Slowenischen Literatur und denk mir: Aber die Stimme, das ist doch der Glechner! Tatsächlich, der Lesende ums Eck ist ein alter Bekannter aus dem Café Anno. Schön, eine halbe Stunde Plaudern vertreibt einem auch die Zeit. Er drückt mir ein Programm in die Hand. „Die Dori liest heut auch hier.“ Wusste ich nicht. Theodora Bauer hat gerade ihr Debüt heraus gebracht. Das halbe Café Anno befindet sich in Leipzig!

Und während ich auf Dori warte, treffe ich noch einen alten Bekannten – sein damals tausendseitiges Werk, das von allen in der GRAUKO gelobt worden aber mit den Worten „Nie bringst du das unter, viel zu kompliziert und dick!“, bedacht worden war, hat es nun auch in einen Verlag geschafft – wenn auch tatsächlich in stark gekürzter Form.

Zwei Tage Buchmesse also. Tag eins bestand zu 90 % aus Warten. Meine Lesung war erst um 16:00. Bis dahin vertrieb ich mir mit Dori die Zeit. Wie die Teenager sagen wir nach, wo es was zu essen gab, ließen uns in der W-Lan-Ecke nieder und posteten Selfies auf Facebook. Dori erklärte mir mein Smartphone, das ich zwei Tage zuvor gekauft hatte – mit der Begründung: Ich muss auf Reisen meine Mails ablesen können. Jetzt weiß ich, was es noch kann: Es dient AutorIn zu Werbezwecken. Facebook-Selfies sind heute verdammt wichtig!

Das Essen im Auersbachkeller findet anschließend auch noch statt – ich lerne endlich die Hanser-MitarbeiterInnen kennen. Gott sei Dank ist meine Lektorin müde und partyunwillig – somit bin ich nicht die einzige, die nicht mehr das Tanzbein schwingt. Gute Nacht!

Tag zwei begann hektisch. Mit Patricia Schöning von einem Ende der Messe zum anderen – und das durch eine Unzahl an BesucherInnen, alle verkleidet als Mangas. Gang gesperrt, wir stecken fest. Das Interview beginnt in 5 Minuten, in 4 Minuten, in 3 Minuten. Gerade noch in letzter Sekunde erreichen wir den Aufnahmeraum. Das erinnert schon ein bisschen an die entschärften Bomben eines MacGyver. Durchschnaufen, Wasser trinken und Fragen beantworten – aber das ist bei Patricia kein Problem. Wir verabschieden uns bis zu den Wortspielen Wien, spätestens dem Debütfestival in Kiel.

Bis zur eigenen Lesung ließ ich mich im Österreich-Kaffeehaus nieder. Denn wenn man dort einmal einen Platz hat, sollte man sitzen bleiben. Es ist der gemütlichste Ort auf der ganzen Buchmesse – man serviert Strudel und Großen Braunen und als Gast bekommt man auch noch vorgelesen. Die Warnung, ich solle nicht böse sein, wenn im Hintergrund alle tratschen, war unberechtigt – Mein Mittelstadtrauschen lockte die Besucher an, am Schluss standen und saßen sie rund um das Kaffeehaus. Da hätte ich gerne im Lesen innegehalten, mich umgedreht und ein Selfie von mir gemacht – aber das ging natürlich nicht – außerdem lag mein Smartphone ja abgedreht am Kaffeetisch. Dafür hat Michael Winroither vom Deuticke-Verlag das Fotografieren übernommen und alles gleich online gestellt. Sie sehen also: Facebook hilft den Büchern und AutorInnen, durchaus im Gedächtnis ihrer LeserInnen zu bleiben. Meine Freundin Gabi hatte das damals noch nicht …. sonst hätte sie alles in der Sekunde teilen können und wüsste noch, welche Lesungen sie ansprachen und welche nicht. Zumal Handyuploads und Facebookseiten wesentlich leichter sind als Bröschüren.

Und da auch ich nicht ganz leer nach Hause fahren wollte, habe ich mir Doris Buch gekauft und noch zwei andere in den Koffer dazu gelegt.