Coburg – 5. April 2013, Romanmarathon


Ich hatte es mir aussuchen können. Ob ich lieber eine Nacht länger in Berlin bleibe, oder gleich nach Coburg reise und dort entspannt zwei Tage verbringe.

Die meisten ÖsterreicherInnen hätten sich wohl für Berlin entschieden (wenn man schon mal die Möglichkeit hat), aber Berlin ist gut für Poetry Slams und Lesebühnen – aber nicht für eine Autorin, die allein durch die Stadt zieht. Allein bin ich doch gern dort, wo´s gemütlich ist.


Bereut habe ich es keine Sekunde lang – schon am Bahnhof wurde ich von zwei Herren abgeholt, und in meinem Zimmer fand ich Marzipanherzen und einen lieben Willkommensgruß der Buchhändlerin. Den ganzen Nachmittag lang zeigte mir Oskar Ohler seine Stadt und versorgte mich nicht nur mit literarischen und geschichtlichen Anekdoten, sondern vor allem mit seinen Jugenderinnerungen. Tags darauf war ich auf eine Kaffeejause eingeladen und habe in der gleich mein Schreibplätzchen eröffnet.

Beim den 12. Literaturtagen mit dem schönen Titel „Coburg liest“ stellte ich erstaunt fest: Literatur ist gar nicht out. Die Halle war mehr voll, man musste (trotz des gar nicht geringen Eintrittspreises) Stühle dazustellen – das Publikum hörte gespannt zu und stellte nach der Lesung viele Fragen. Dass sich so viele zum Romanmarathon einfinden, bei dem Debüts vorgestellt werden, hat einen Grund. „Wir wissen, dass die wirklich immer tolle Bücher aussuchen“, verriet mir ein Besucher. Und fasste das gleich einmal als Kompliment auf – obwohl es natürlich vor allem den VeranstalterInnen galt.

Und noch etwas habe ich gelernt: Dass Austriazismen gar nicht so schlecht ankommen, wie manche glauben. Auf die Rückmeldung, dass der Wiener Charme in meinem Buch so schön spürbar wäre, erzählte ich, dass ein paar wenige österreichische Ausdrücke vom Verlag ins Bundesdeutsche übersetzt worden waren. Wie zum Beispiel das österreichischem „Putzerl“. Woraufhin meine Gesprächspartnerin meinte: „Also, ich kenn das Wort Putzerl nicht, aber ich hätte es schon verstanden und finde das sehr schade. Putzerl klingt so richtig nach einem roten, verschrumpelten, schreienden Neugeborenen. Das Wort Baby hingegen weckt gar keine Emotionen.“