Wien – 10. und 11. April, Schulschiff


Das Schulschiff ist ein riesiges Schiff, das niemals ablegt. Und es sieht innen aus wie jede andere Schule auch. Im Nachhinein bin ich also nicht mehr böse, nicht auf ein Schulschiff gegangen zu sein – wir hatten das Glück, im ehemaligen Lehrerzimmer untergebracht zu werden (aus Platzgründen) und hatten daher Kühlschrank, Waschbecken und Buchregal in unserer Klasse. … Wenn man vor Schulklassen sitzt, wird man ein bisschen sentimental und beginnt, an die eigene Schulzeit zu denken.


Was anders war: Die Handys. Ich habe sie erlaubt, besser, sie schauen in Facebook nach, dachte ich, als sie tun das, was wir taten, nämlich schwätzen. Ich war in der Schule schon eine ziemliche Schwätzerin. Man kann nicht erwarten, dass sich Schüler für Literatur interessieren. Ich war ja eine ziemlich seltsame Schülerin – ich habe mich über die coolen Themen im Englischunterricht aufgeregt und mir James Saunders besorgt. Und wenn ich Schule geschwänzt habe, habe ich mich in den Kasten gesetzt und gelesen. (Ja, ich saß oft im Kasten. Bei jedem Geräusch im Stiegenhaus habe ich mich hinein gesetzt, und da das ziemlich anstrengend war, blieb ich gleich drin. Um der Gefahr einer zu früh heimkehrenden Mutter zu entgehen, schwänzte ich fortan im Bus – und fuhr von Endstation zu Endstation.

Aus einer Schwänzerin wird auch wirklich nichts Gescheites – das sieht man ja heute. Ich bin nicht einmal fix angestellt auf diesem Schulschiff. Verflixt, dabei hätte ich als LehrerIn Beamtenstatus! Mütter haben schon recht, wenn sie gegen das Schwänzen wettern.

Dass dann doch sehr viele aufmerksam zugehört und Fragen gestellt haben, hat mich verwundert – ich kann das nämlich nicht, gleichzeitig facebooken und zuhören und dann auch noch intelligente Fragen stellen. Da haben uns die SchülerInnen der heutigen Generation tatsächlich was voraus!