Pécs-Tagebuch, 26. 3. 2016


Heute endlich das Rückreiseticket gekauft. Der Autoplatz, den mir K.M. als Link geschickt hat, war binnen kürzester Zeit weg, auch am Bahnhof hat man nur noch ein Ticket erster Klasse. Alles voll, die Angestellte schüttelt bedauernd den Kopf. Ist selbst entsetzt über den Preis des Tickets. Sind Sie ganz sicher, dass Sie nicht gleich ein Rückreiseticket buchen wollen?, fragt sie. Das käme wesentlich billiger.

In der Király utca liegen Gedichte auf dem bronzenen Kaffeehaustisch. Daneben steht ein weißhaariger Literat. Als ich näher komme, zeigt er mir seinen Lyrikband, blättert für mich durch die Seiten, übersetzt und erklärt ungarische Begriffe aus der Poesie. Ich höre ihm geduldig zu und nicke mit dem Kopf. Wünsche ihm schließlich einen schönen Nachmittag. Bin nicht in Gesprächslaune.

Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, seitdem die Abreise näher rückt. Immer bevor ich nach Wien fahre, bin ich unrund. Wien, das heißt Besuchs-Marathon zwischen den Lesungen. Seitdem mein erstes Buch erschien, kenne ich noch mehr Leute in Wien als vor meinem Wegzug. Nebst Koffer trage ich ein schlechtes Gewissen in die Stadt. Ich bin zur Vertrösterin geworden. Die Tage davor meide ich die Menschen noch mehr als sonst. Weiche großräumig aus. Die nahenden U-Bahnfahrten lassen mir Pécs (Becs) jetzt schon zu eng erscheinen.