Bad Aussee, 24.-26. April 2015 – Literasee Wortfestival



Das Literasee-Programm war ein tolles (Sigrid Löffler, Arno Geiger, Nino Haratischwili, John Burnside…), das Wetter herrlich, das Frühstück reichlich, die Grotte kalt, die Rutsche im Salzbergwerk noch immer furchterregend…

Wenn man gerade aus Bosnien-Herzegowina kommt, ist Bad Aussee ein bisschen unwirklich. Meine Suite (Herzmanovsky-Orlando, das fand ich großartig, der hat mich damals tatsächlich inspiriert, als ich neben der Lektüre über Trümmerfrauen und Quantenphysik in alles Ur-Wienerische eintauchte) war größer als meine Wohnung in Graz. Ein Tintenfass mit echter Tinte, Vorzimmer, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Balkon und ein Bad, das so groß war, dass ich die Dusche gar wahrnahm und hockend in der Badewanne duschte. Ich sah die vielen Schampoo- und Cremefläschchen und dachte an meine Freunde in Glamoč, Međugorje und Derventa, an ihre mit EU-Hilfen wieder aufbauten Häuser, an die klamme Kälte in den Schlaf- und Badezimmern und die gesellige Wärme in den Küchen. Falls man in den ersten beiden Tagen meine Irritation mitbekommen hat, ist man mir hoffentlich nicht böse. Am dritten Tag hatte ich mich akklimatisiert und die Runden im geheizten Außen-Pool genossen.

Die Wasnerin bietet nicht nur Literatur vom Feinsten sondern auch Erholung – erinnert man sich hier doch der großen Schriftsteller, die ihre Sommerfrische genossen haben – und schon damals bei der Wasnerin einkehrten.


​​Besonders gefreut hat mich, dass mein Kollege J.F. Dam mit seiner Familie aus Salzburg angereist ist, um mich zu besuchen. Jyotishman hat gleichzeitig mit mir sein Debüt bei Deuticke heraus gebracht – und seinen zweiten Roman ein halbes Jahr früher als ich abgegeben. Sein Roman „Die Nacht der verschwundenen Dinge“ erschien im Frühjahr, mein zweiter Roman „Die Schmetterlingsfängerin“ wird im Herbstprogramm von Deuticke erscheinen. Deswegen war dies auch – zumindest für längere Zeit – meine letzte Lesung aus „Mitteltstadtrauschen“.