The B O R D E R


Tagesnotiz – 8.5.2019

Während des Spaziergangs mache ich mir Gedanken über den letzten Zipfel der Monarchie. Da ist D.s Balkon, da ist die Diskussion über die Grenze, vorgestern, als er theatralisch ausrief: The B-O-R-D-E-R !! You understaaaand???

Gestern, nach dem Besuch des historischen Vortrages über den Park (den ich zwar nicht verstanden habe, dessen Bilder jedoch tief in die Austro-Ungarische Zeit hier eintauchen ließen), saß ich mit einer jungen Lyrikerin (T.) ein paar Stunden in einer Kneipe und habe mich über Literatur unterhalten. Über jene, welche in den noblen Hallen und bei renommierten Festivals gelesen wird und jene, die man in den nicht so noblen Kaffeehäusern zu hören bekommt. In so einem "underground café" wollen sie auch mich auch hier in Pančevo haben, also mache ich mir Gedanken über ein passendes Thema und die passende Form. Eines ist (nachdem die Sonne mich zurück unter die Lebenden geholt hat) bereits sicher: eine Lesung aus dem Buch wird es nicht werden. Irgendwas Verrücktes soll es sein, etwas, das man hier wie dort versteht. Dem Strudel ein Denkmal setzen, über einem Glaserl Wein über die verlorene Monarchie jammern und D.s Balkon mitsamt dem B-O-R-D-E-R-Geheul mitten ins Kaffeehaus hineinprojizieren. Und dazwischen dann ...

... aber stopp. Müssen ja noch die anderen mitspielen. Mir ihre Stimmen, ihre Texte, ihre Plätze leihen.

Im Oktober soll das Ganze dann ins Anno wandern (so stelle ich es mir jetzt vor) – von einer Kneipe zur anderen quasi. In Wien kann man sich bereits das Datum notieren: Es wird der 27. Oktober sein. Dann bring ich ihn mit, den letzten Zipfel der Monarchie (.... weil, sorry: meinen Papaverweg 6 – der natürlich aufliegen wird – könnt ihr auch ohne mich lesen).