Graue Bienen

von Andrej Kurkow

Diogenes, 2019


Wenn man gerade an Corona erkrankt ist und einen schweren, sabbernden Hund auf der Brust hocken hat, kommt man wenigstens dazu, den Stapel begonnener Bücher auf dem Nachtkasterl fertig zu lesen.


Zum Inhalt: Sergej, ein Bienenzüchter Ende 40, lebt im Donbass, in einem kleinen Dorf in der grauen Zone. Bis auf ihn und seinen ehemaligen Schulfeind Paschka ist keiner im Dorf geblieben. Es gibt keinen Strom mehr, die Läden haben geschlossen, und wenn Sergej mal ein paar Eier holen will, macht er sich im Schutz der Dunkelheit mit seinem Honig auf den Weg ins nächste Dorf, wo das Leben noch halbwegs normal erscheint. Das Buch erzählt sehr eindringlich vom Alltag zwischen den Fronten. Von Sergejs Zusammenkünften mit seinem einsamen Feindfreund Paschka, von der Begegnung mit dem ukrainischen Soldaten Petro, der ihm das Handy lädt und ihm eine Handgranate schenkt, mit der Sergej nicht so recht was anzufangen weiß, von der Exfrau Witalina (deren "Ameisenkleid" noch im Kasten hängt) und ihren Briefen, die erst Jahre später ins Dorf kommen. Von dem im Schnee liegenden Weihnachtsmann mit dem Ring im Ohr, der es mit dem Rucksack voller Süßigkeiten nicht mehr bis zu den Kindern geschafft hat. Von der Reise eines Mannes, der seine Bienen an einen Ort bringen will, an dem nicht geschossen wird, und davon, wie schwierig es für jemanden aus dem Donbass ist, einen Ort zu finden, an dem er für ein paar Monate einfach nur ein bisschen Ruhe für sich und seine Bienen finden kann.


Lesegenuss der höchsten Stufe. (Ich liebe viele Bücher, aber dieses Buch hat mir das Herz aufgehen lassen!!)


ausgeliehen aus der Stadtbibliothek Graz


Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen (er spricht insgesamt elf Sprachen), war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach wurde er Kameramann und schrieb zahlreiche Drehbücher. Sein Roman ›Picknick auf dem Eis‹ ist ein Welterfolg. Kurkow lebt als freier Schriftsteller in der Ukraine und arbeitet auch für Radio und Fernsehen. (Quelle: Diogenes Verlag)


 


Kurze Lesung aus Graue Bienen (aufgenommen für die On Air Lesebühne 7shoG des Grazer Autorinnen und Autoren Kollektivs auf Radio Helsinki (Erstausstrahlung 29.3.2022)

Einfach aufs Radio klicken, um den Beitrag hören zu können! :-)



 


Titel: Graue Bienen

Autor/in: Andrej Kurkow

Übersetzung: Aus dem Russischen von Johanna Marx und Sabine Grebing

Verlag: Diogenes

Publikationsjahr: 2019

ISBN: 978-3-257-07082-8

Seiten: 448