15. März

Im Radio spricht man von Ausgangsbeschränkungen, die gestern noch dementiert wurden.

Ich bitte die Stadtschreiberin S., noch an diesem Nachmittag zum Interview zu kommen, morgen könnte es teuer werden.


Mein Mann begleitet mich auf meinen Spaziergang, das tut er nicht immer.

Ich schlucke meine Allergietablette.


Am Rückweg holen wir S. von der Busshaltestelle ab, in meinem Schreibzimmer stecke ich das Mikrophon in den Laptop. Mein Kollege hätte das bessere Equipment.

Wir öffnen eine Flasche Rioja, die schon seit Wochen auf eine gute Gelegenheit wartet.


S. telefoniert mit ihrem Vater. Da ihre Rückreise nach Serbien gecancelled wurde, starten wir einen Aufruf in den sozialen Medien: Wer fährt morgen von Graz nach Belgrad?

Das Interview findet irgendwo dazwischen statt.

Im Internet finde ich ein Busunternehmen, das am nächsten Tag eine Fahrt von Wien nach Belgrad anbietet (Zitat: "Wir fahren auf jeden Fall ab, wissen aber nicht, wie weit wir kommen.")

Ich buche für S. ein ÖBB Ticket nach Wien und nehme sie zum Abschied in den Arm, obwohl man das nicht mehr soll.


S. (Sofija Živkivićs) ist eine serbische Autorin aus Belgrad, die mich während meines Aufenthaltes in Pančevo betreut hat. Seit Feber ist sie Artist in Residence in Graz – sie hätte es noch bis Ende März sein sollen.

Das Interview wird am Di, 31. März um 18:00. auf Radio Helsinki ausgestrahlt.