Im Pančevac

Der Name Pančevac (anders als bei der Stadt liegt beim Namen der Zeitung die Betonung auf dem e) kommt mir erstmals in der englischen Broschüre unter, die man mir in der Tourismusinformation wortlos übergibt.

Drei Wochen nach meiner Ankunft erhalte ich eine Nachricht über den Messenger, ich möge doch bitte erzählen, wie es mir in der Stadt so gehe, ob ich sie und seine Einwohner möge, ob mich die Geschichte der Stadt inspiriere, ob ich bereits typisch serbische Gerichte gegessen hätte und was ich für den Rest meines Aufenthaltes noch vorhätte.

Viel Platz sei leider nicht, schreibt Mira, sie habe erst jetzt von meiner Anwesenheit in Pančevo erfahren, auch sei sie gerade unterwegs, sodass sich ein Kaffee nicht mehr ausgehe, der Text müsse bald fertig sein.

Ich verspreche, die Fragen noch am selben Abend zu beantworten.


Tags darauf sitzt Mira mit ihrer Kamera im Štab Pogon, einem alternativen Café, das Sofija, Tijana und ich für unsere Veranstaltung gewählt haben. Die Journalistin fällt kaum auf, sie will nur schnell ein paar Bilder schießen, sagt sie.


*


31. 5.

Ich sitze an einem Tisch, starre auf mein marxistisches Papiermenü und langweile mich. Sofija schickt mir einen Link, sie habe die aktuelle Ausgabe des Pančevac gekauft, schreibt sie, so klein sei der Artikel gar nicht, vor allem sei er gut platziert, das Foto von Tijana und mir springe sofort ins Auge. Ich muss dennoch dreimal durch die PDF-Ausgabe scrollen. Vielleicht wird es Zeit, das Haus nicht mehr ohne mein Brillenetui zu verlassen.


Ich reiche J. mein Handy. Schau mal, sage ich, im Pančevac.

Hey, sagt sie. Das ist ein netter Artikel.


Als ich mich zum Rauchen hinausstelle, steht Mira nicht weit von mir. Ich nicke ihr kurz zu, bin zu feig, um sie auf den Artikel, den ich ohnehin nicht lesen kann, anzusprechen. Erst tags darauf bedanke ich mich über den Facebook Messenger, dem Kommunikationsmittel für Feige.








Info zur Geschichte der ältesten serbischsprachigen Zeitung:


Der Pančevac erschien erstmals am 13. April 1869. Gründer, Eigentümer und Herausgeber war Jovan Pavlović, ein Lehrer der Handelsschule. Die Herausgabe einer serbischen Zeitung musste hatte von der Kommandantur in Temeswar eingeholt werden müssen, da Pančevo (damals Pantschowa) der Wiener Hofkammer unterstand. Nach Auflösung der Militärgrenze wurde die Stadt dem Königreich Ungarn zugeordnet. Als eine der ersten ungarischen Amtshandlungen wurde Jovan Pavlović 1876 verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die weitere Veröffentlichung des Pančevac wurde untersagt. Bis 1918 arbeitete die Redaktion illegal. 1919 wurde die Zeitung dann wieder neu herausgegeben. Mit den neuen Besitzern Dušan und Duda Bošković wurde die Redaktion zeitweilig nach Novi Sad verlegt und in Vojvođanin umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Kommune Pančevo Eigentümer der Zeitung. Mittlerweile ist die Zeitung privatisiert und erscheint als Wochenzeitung in einer Auflage von 12.500 Exemplaren.

(Quelle: Wikipedia)