Irgendwo wartet immer jemand auf dich

Ich bin zu einer Podiumsdiskussion in der städtischen Bücherei geladen (Thema: Thomas Bernhards Einfluss auf österr. und serb. Gegenwartsautoren).


Majski dani knjige, 29. maj: Književna tribina "Bernhardovi sinovci ili šta je danas Bernhard nama, a šta njima?" Učesnici: Barbi Marković, Margarita Kinstner, Rihard Šubert i Jelena Kostić Tomović. Moderator: Vule Žurić

Esse Leskovačka mućkalica, zünde mir eine Zigarette an und höre Vule zu, der uns uns die Geschichte von Ivo Andrićs Sondergenehmigung das Land zu verlassen erzählt.

Mein Messenger vibriert.

Es ist bereits nach halb elf, man fragt sich, wo ich bleibe. Schickt mir eine Wegbeschreibung, mit dem Zusatz: Write when you are close, there will be someone waving on the balcony.



Als ich die Wohnung finde, dringt vielstimmiges Gegröle auf die Straße: Cele noćii ti si forsirala konjak! Drums, E- und Bassgitarren.

D. und J. (die sich ihre Brötchen als Lehrer verdienen), singen Leave them kids alone.




Es ist weit nach Mitternacht, die Nachbarn werden nicht viel Schlaf abbekommen, aber das ist man hier gewöhnt, in den meisten Wohnungen weiß man, wann um einen herum gestritten, geliebt, musiziert oder stundenlang ins Taschentuch geniest wird.



Wechsel aufs Sofa. Ein Glas Wein, Zigaretten, der Duft vom wilden Rosmarin auf dem Balkon. Schließlich greift Sava (ein älterer Mann mit weißem Haar) zur klassischen Gitarre und singt für mich ein altes mazedonisches Lied.

Und spätestens jetzt weiß ich, dass ich Pančevo und die Leute hier vermissen werde.


(Jovane Jovanke – jenes mazedonisches Lied, das Sava für mich gesungen hat. Ich habe die Version auf You Tube gewählt, das meinem Hörerlebnis am ehesten gleicht.)