Kalemegdan bei Nacht

Belgrad, 18. Mai 2019 (Teil III)


Vor der Moschee steht eine Menschenschlange an. Also doch rauf zur Festung, deren einst barockes Aussehen wir vorhin in Miniaturform gesehen haben. Heute liegen unter den Wänden die einstigen Helden des Partisanenkriegs begraben, viele der jüngeren Generation wissen kaum noch etwas über sie, irgendwelche Statuen, denken sie, Köpfe aus einer längst vergessenen Zeit.






Auf unserem Weg werden wir vom Regenguss überrascht. Sofijas Freundin, die sich kurz abgeseilt hat und wieder zu uns stoßen wollte, steckt fest, kommt nicht weiter. Sofija. V. und ich finden Unterschlupf in einer Bar – im obersten Stock eines Einkaufcenters. Weil es hier eine tolle Aussicht gibt, hatte V. sie vorgeschlagen, nun aber können wir die Dachterrasse nicht nutzen.

Wir trinken Wein, Sofija ist schon wieder hungrig. Easy to love, but hard to feed, lacht V. Hinter den Scheiben prasseln die Regentropfen eine schnelle Polka auf die Holzfliesen, ich werde auch heute wieder mit nassen Socken nach Hause kommen. Von hier bis zum Linientaxi sind es vierzig Gehminuten.

Ich knülle meine Eintrittskarte zusammen und stecke sie in die Jackentasche. Spanne den Schirm auf und schultere meinen Rucksack. V. begleitet mich zum Trg Republike und zeigt mir den Weg. Dort drüben, die Francuska hinunter, erklärt er. Bist du sicher, dass du ich auskennst? Aber ja doch, sicher, ich kenne den Weg, hier war ich schon einmal.

V.s Bus liegt in der anderen Richtung, vorhin sind wir an seiner Station vorbeigekommen, doch er hat strikte Anweisungen von Sofija, mich um die große Baustelle herumzuführen, bis zur Straße, die zur Kafafa Banija führt. Keine Sorge, wiederhole ich, ich hab doch Google, meinen Freund und Führer. Wenn ich mich verlaufe, wird höchstens das Display meines Handys nass.

Ich verlaufe mich nicht. Frage mich, ob die breite Straße hinauf zur Pančevo eine jener vier großen Straßen sein könnte. Die Belgrader führen ihre Hunde durch den Regen spazieren. Meine Füße schwimmen, zu Hause werde ich mir wieder die rote Farbe meiner Schuhe von den Zehen waschen müssen. Der kleine Bus steht bereits unterhalb der Busstation. Ich schüttle meinen Knirps aus und falte ihn zusammen. Dann hole ich die zerknüllte Eintrittskarte aus meiner Jackentasche, werfe sie in den Mistkübel, klettere ins Wageninnere und schreibe an Sofija, dass mich V. artig begleitet habe, dass ich bereits im Trockenen sitze, am Weg nach Pančevo.