Sjeban – die Belgrader U-Bahn

»Hey, Margarita. In Vienna you call the underground »U-Bahn«. Do you know how we call the Belgradian U-Bahn here? We call it »sjeban«- Because »sjeban« means »fucked up«!


Jetzt muss man sich Belgrad ein bisschen wie Wien vor 20 Jahren nur ohne U-Bahn vorstellen, denn Belgrad hat immerhin 1,34 Millionen Einwohner und eine Fläche von 360 km² (zum Vergleich: Wien hat 415 km²).

Wenn Sie also nicht alles ergehen wollen, was durchaus zweieinhalb Stunden dauern könnte, dann müssen Sie den Bus oder die Straßenbahn nehmen. Wobei es in Belgrad mehr Busse als Straßenbahnen gibt. Und die sind oft so vollgestopft, dass es vorkommen kann, dass sie stehen bleiben und auf den nächsten warten müssen.

Okay, das ist alles halb so schlimm, das kennt man ja teilweise von zu Hause. Was viel Schlimmer am Fehlen der U-Bahn ist: Sie haben keine Ahnung vom Liniennetz. Sprich: Es gibt hier keine einzige U-Bahn-Station, die Sie auf Google finden werden. Denn sind wir doch mal ehrlich: So macht man es doch heute. Man schaut auf Google Maps nach der nächsten Metro Station, stellt sich vor den Plan mit den bunten Linien und sucht die Station, an der man aussteigen will.

Hier jedoch gibt es nur Bushaltestellen – und an denen werden Sie meist nicht einmal erfahren, wohin die Busse fahren.

Ich habe es daher vorgezogen, zu gehen. Ohnehin lernt man eine Stadt am besten kennen, indem man sie sich "ergeht«.

Von der Dunav stanica, an der das Linea taxi (ein Art halblegaler Bahnersatz von Pančevo nach Belgrad) sind es zu Fuß etwa 20 Minuten bis zum Banija (eine kafana, an der man sich hier gern trifft), etwa 40 Minuten zur Österreichischen Botschaft und etwa 60 Minuten zur Österreichbibliothek.

Wenn ich dann doch mal etwas weiter muss, steige an einer Hauptstraße ich in den Bus, verfolge auf Google Maps den Weg und steige aus, sobald der Bus in eine Richtung abbiegt, die mir nicht gefällt – den Rest gehe ich dann oft wieder zu Fuß.

Natürlich. Ich hätte mir auch einen Stadtplan zulegen, im Internet nach dem Liniennetz suchen die wichtigen Stationen markieren können. Aber wie Sie ja bereits wissen, habe das Pančevo Syndrom, sprich es zieht mich ohnehin nicht sehr nach Belgrad. Vielleicht hätte ich die Stadt öfters besucht, hätte es eine U-Bahn gegeben. Sich eine Stadt zu ergehen macht nämlich nur Spaß, wenn es nicht regnet. Und das war hier in den letzten 4 Wochen nicht oft der Fall.




Warum hat Belgrad eigentlich keine U-Bahn? Diese Frage kommt spätestens auf, wenn man mit der Rolltreppe in den Untergrund fährt und das Gefühl hat, dass man nun doch gleich überrascht wird , haha, von wegen es gibt keine U-Bahn, die haben mich alle zum Narren gehalten, gleich kommt doch so ein Untergrund-Zug und bringt mich in 3 Minuten zurück zur Pancevački most*.

Nun werde ich doch neugierig, ziehe mein Handy aus der Hosentasche und sehe auf Wikipedia nach.


(Auszug aus Wikipedia)

Die ersten fertigen Pläne der Arbeitsgruppe Metro sahen 1976 den Bau von fünf Linien einer klassischen U-Bahn vor.Das Projekt wurde, da zwischen den jugoslawischen Republiken kein allgemeiner Konsens für die Notwendigkeit einer Belgrader U-Bahn bestand, 1982 förmlich als politisch nicht durchführbar vorerst zu den Akten gelegt. Damit wurde die folgenschwere Phase der Dominanz der Befürworter eines stärkeren Ausbaus des individuellen Straßenverkehrs zugunsten eines kapazitätsstarken ÖPNV-Systems eingeleitet.

Erst in der Amtszeit des damaligen Bürgermeisters Zoran Đinđić lebte die Idee 1997 wieder auf, doch erst 2006 wurde eine Durchführbarkeitsstudie für ein damals mittlerweile favorisiertes günstigeres und verkleinertes Stadtbahn-System unter Bezeichnung BELAM oder Lake Metro (LRT Light Railway Train, deutsch: Stadtbahn) mit drei Linien aufgestellt. Dabei folgten die Linien aber gänzlich der 1976 unter Federführung von Branislav Jovin erarbeiteten Streckenführung zwischen Vukov Spomenik–Terazije–Novi Beograd, sowie zwischen Autokomanda–Prokop–Skupština und Kalemegdan. Heute ist eine weitere Linie über die seit Anfang Dezember 2008 in Bau befindliche Brücke Novi Savski Most oder auch Most na Adi vorgesehen. (> weiterlesen auf Wikipedia)



Auf das Fehlen eines schnellen Transportmittels im Belgrader Untergrund angespochen, meint S:

We don't need Ubahn. we are a genuine underground culture




* Brücke nach Pančevo